Wir Kartenleger sind keine Wunscherfüller
Warum Eigenverantwortung ein wichtiges Gut ist...
Die Sucht nach dem „Er kommt zurück“ – Kartenleger vs. Realität
„Der Kartenleger hat gesagt DAS ... und der andere meinte DAS ... und trotzdem passiert NICHTS?!“
Ja, was ist denn da los? Ist der Berater dann ein schlechter Berater, weil nicht das eintritt, was die Karten gesagt haben? Oder könnte es eventuell doch an etwas anderem liegen?
Wir Berater sind keine Wunscherfüller und keine Feen, die dir deinen Herzmenschen herbeizaubern. Wir sind lediglich dafür da, dich zu begleiten und dir die Situation aus einem anderen Blickwinkel aufzuzeigen. Oft erlebe ich, dass Kunden in meine Worte etwas völlig anderes hineininterpretieren, weil sie die Wahrheit schlichtweg nicht hören wollen. Aber weißt du was? Das ist nicht mein Problem.
Natürlich liebt man Kartenleger, die alles fast immer positiv deuten. Nur: Ist es nicht ärgerlich, wenn davon nicht einmal ansatzweise etwas eintritt? In diesem Moment beflügelt es dich vielleicht und du hast ein Glücksgefühl, aber leider blendest du genau dann die Realität aus und hüpfst auf einer Traumblase durch die Weltgeschichte. Was dann passiert, ist alles andere als schön: Du beziehst den Warteposten und wartest auf dein „positives Wunder“. Und ja, ich sage bewusst Wunder, denn genau das wäre es am Ende.
Wenn das Mäusle sich verrannt hat
Manche Herzmensch-Geschichten sind so konfus, verfahren und unterirdisch, dass ich als Berater sofort sehe: Oh oh, das Mäusle hat sich verrannt. Wenn ich das sehe, dann sage ich das auch – und zwar ziemlich deutlich. Ich sehe es als meine Verantwortung, das klar zu kommunizieren, um dich vor weiterer Wartezeit zu bewahren. Wenn keine Gefühle sichtbar sind und der Herzmensch hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen Asyl gefunden hat, ja dann: Shit happens! So ist es eben. Ich kann nichts schönreden, wenn es nicht schön ist.
Jetzt kommst DU ins Spiel. Du hast in diesem Moment zwei Möglichkeiten:
- Entweder du fängst an zu reflektieren und siehst den Tatsachen ins Auge (denn eigentlich weißt du selbst längst, wie die Dinge stehen).
- Oder du weigerst dich, die Eigenverantwortung zu übernehmen, und nimmst es in Kauf, weiterhin ein Leben auf dem Warteposten zu verbringen. Nun? Was ist besser?
Die Jagd nach der „richtigen“ Antwort
Seien wir doch mal ehrlich – so richtig ehrlich, okay? Wenn man sich seine Situation objektiv anschaut, kann man nicht erwarten, dass ein Berater etwas völlig anderes wahrnimmt. Wenn seit Jahren kein Kontakt besteht, der Herzmensch längst eine andere Flamme hat, vielleicht sogar verheiratet und happy ist, dann ist es eine klare Kiste: Die Chancen auf ein Zusammenfinden stehen duster.
Wenn dieser Mensch dir dann noch klar und deutlich gesagt hat, dass es vorbei ist, er keine Gefühle und keinerlei Interesse mehr hat – dann sollte man doch verstehen, dass Hopfen und Malz verloren sind ... oder?
Und was machst du, wenn der Kartenleger dir genau DAS sagt? Naja, zum nächsten Kartenleger rennen ... grins. Und zum nächsten und zum nächsten. Irgendwann ist einer dabei, der dir sagt: „ER KOMMT ZURÜCK!“ Zack – das war die Antwort, die du hören wolltest. Und ZACK – stehst du wieder am Anfang und beziehst auf ein Neues deinen Warteposten.
Mäusle, dieser Kreislauf kann ewig so weitergehen. Vor allem, wenn dann noch das Thema „Dualseele“ ins Spiel kommt. Das ist dann der Gipfel des Eisbergs, der dich noch tiefer in die Abhängigkeit treibt.
Der Fuchs im Seelenpartner-Dschungel
Wer mich kennt, weiß, dass ich ein kleiner Fuchs bin, was Seelenpartnerschaften betrifft, und das ziemlich gut herausfiltern kann. Jeder Berater hat sein Steckenpferd, und das hier ist nun mal meins. Ich gehe mit diesem Thema sehr, sehr sorgsam um, weil ich weiß, was es mit einem macht, wenn man wirklich in so eine Geschichte involviert ist. Aber ich würde den Teufel tun, jede komplizierte Herzmensch-Geschichte als Seelenpartnerschaft zu deklarieren. Oft ist sie das schlichtweg nicht.
Was ich eigentlich sagen möchte: Du selbst bist dafür verantwortlich, wie du die Dinge siehst. Du kannst immer wählen zwischen Traumtänzerei und der Wahrheit. Du entscheidest, ob du weitergehen willst oder weiterhin auf ein Wunder wartest. Wer nicht hören will, der muss fühlen – und da kann es passieren, dass du sehr unsanft von Wolke 7 auf dem harten Betonboden landest.
Ich kann dir nur ans Herz legen: Sei grundauf ehrlich zu dir selbst. Damit ersparst du dir einen langen Leidensweg aus unerfüllten Wünschen und falschen Hoffnungen.